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Elsa Bloch-Diener

   
           

 

 

 

Address Obstbergweg 7
3006 Bern
Switzerland

 

Phone +41 (31) 352 6765
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Membership CINOA  
Fairs  
Description Private Sammlung
Aegyptische Kunst, Ikonen, Koptische Gewebe

 

Wie ich Kunsthändlerin wurde
Die Frage, wie hat alles begonnen, ist in Kürze kaum zu beantworten.
Meine Eltern besaßen in der Ostschweiz ein großes Haus voller Jugendstilmöbel. In unserem geräumigen Estrich dagegen stand ein alter stattlicher Frühbarockschrank. Das war mein Lieblingsstück, ich fühlte mich zu ihm hingezogen. Die schönen ruhigen und ausgewogenen Formen dieses Schrankes faszinierten mich bereits als kleines Mädchen. Der prächtige Nuss-baumschrank, der vor über fünfzig Jahren vom Fachmann restauriert wurde, steht noch heute in meinem Schlafzimmer. Er hat mich durch den größten Teil meines Lebens begleitet und mich bewogen weitere zu ihm passende antike Möbelstücke zu erwerben. Im Laufe der Jahre ist er noch schöner geworden.
Vor mehr als sechzig Jahren heiratete ich und begann mein geerbtes und gepflegtes Jugend-stilmobiliar gegen antike, unrenovierte Möbel auszutauschen. Mein Ehemann (er war damals noch Assistent an der ETH in Zürich) und ich besuchten Landleute im Thurgau. Oft wurden wir belächelt: "so junge Leute suchen so alte Sachen." Diverse Besitzer von alten Thurgauer-häusern, mit denen wir Tauschgeschäfte tätigten, sahen unseren jugendlichen Enthusiasmus, zweifelten aber an unserem Verstand und fürchteten, sie würden uns übervorteilen. Dies, ob-wohl wir es waren, welche die Tauschgeschäfte vorschlugen. Nie habe ich bei Objekten, die mir gefielen, meine Begeisterung zurück gehalten, um den Kaufpreis zu drücken. Das hat sich schließlich sogar bewährt: man vertraute mir und empfahl mich als Käufer weiter.
Ein Antiquitätenschreiner wirkte Wunder: aus den alten, unansehnlichen Möbeln zauberte er Prachtstücke hervor. Die restaurierten Möbel waren so perfekt und betörend, dass ich es ganz einfach nicht lassen konnte, weiter zu suchen, selbst dann nicht, als ich keine Jugendstilmöbel mehr besaß und wir unseren eigenen Hausrat vollständig antik eingerichtet hatten. Aus mei-nem Hobby entstand schließlich ein Beruf, der sich im Laufe der Jahre ausweitete. Unter an-derem gehörte meine Sammelleidenschaft der Schweizer Keramik. Es wurde aber immer schwieriger, gute alte Schweizerkeramik zu finden. Da entdeckte ich meine Liebe für weit ältere irdene Gefäße. Anfänglich konnte ich es kaum fassen, dass eine großgriechische Vase aus dem 5. Jh. v. Chr. billiger sein konnte als eine Langnauer-Platte aus dem 18. Jh. Mein Sammelgebiet erweiterte sich, aber nicht nur auf griechische, großgriechische und etruskische Vasen, sondern auch auf etruskische, griechische und römische Bronzen. Während vieler Jah-re besuchte ich wöchentlich archäologische Vorlesungen an der hiesigen Universität. Dank erworbenem Wissen und dank sehr guter Fachleute, die unsere Freunde geworden sind, wurde ich vor Fälschungen bewahrt.
Vor 36 Jahren lernte ich durch einen glücklichen Zufall einen älteren Ägypter kennen, der während vieler Jahre mit der Museumsdirektion in Kairo zusammen gearbeitet hatte. Wäh-rend der Nasserzeit musste er, da er zur ehemaligen Herrscherklasse gehörte, Ägypten verlas-sen. Prof. Waley el dine Sameh, das war sein Name, verbrachte jedes Jahr einige Wochen bei uns in Bern. In unserem großen Haus in Bern war ein spezielles Zimmer für ihn reserviert. Ihm verdanke ich meine zwar etwas späte, aber umso leidenschaftlichere Freude an ägypti-scher Kunst.
Auf meine erste Ägyptenreise begleitete mich der Ägyptenführer von Prof. Dr. Emma Brun-ner-Traut. Ich war dankbar überrascht von diesem ausführlichen Werk, und sobald ich nach Hause kam, sandte ich der Autorin einen Dankesbrief. Damit begann ein Briefwechsel. Es dauerte einige Jahre, bis wir uns persönlich begegneten und, es war Liebe auf den ersten Blick. Eine innige Freundschaft entstand. Mit den Eheleuten Brunner-Traut - auch der Ehe-mann Hellmut Brunner, war Ägyptologe und Ordinarius für dieses Fach an der Universität Tübingen - verbrachten mein Ehemann und ich wunderschöne Tage und Wochen in Berlin, im Schwarzwald und im Tessin. Oft besuchten mein Ehemann und ich das Ägyptologenehe-paar in Tübingen. Museumsbesuche mit dem Ehepaar Brunner-Traut habe ich stets ganz be-sonders genossen. Leider ist Hellmut Brunner vor zehn Jahren im Alter von 84 Jahren gestor-ben. Emma Brunner kann diesen Verlust nicht verschmerzen; zu innig waren die Eheleute verbunden.
Vor ca. 25 Jahren habe ich mich als Buchhändler einschreiben lassen, um direkt Bücher be-deutender Ägyptologen/Archäologen (z.B. Proff. Emma und Hellmut Brunner-Traut) bezie-hen zu können. Damit versuchte ich, meinen Kunden fundierte Literatur zu verschaffen. Vom Buchhändlerverband habe ich mich allerdings später wieder getrennt, weil ich dessen Ver-kaufspreisvorschriften-Revers, dessen Existenz jetzt das Bundesgericht als nicht gerechtfertigt befunden hat, nicht unterzeichnen wollte.
Vor ca. 36 Jahren begann ich Antikenauktionen in London zu besuchen, damals ungefähr sechs bis achtmal pro Jahr. Während diesen Aufenthalten in London blieb mir viel freie Zeit, die ich ausschließlich im Britischen Museum und im Victoria-und-Albert Museum verbrach-te. Zwischendurch besuchte ich auch New Yorker Auktionen. Sehr wichtig ist die intensive Auseinandersetzung mit einem antiken Objekt. Bei Auktions-Vorschauen ist es heute noch möglich, die zu versteigernden Objekte zu betasten. Nicht von ungefähr wurde das Wort "Fingerspitzengefühl" geprägt. Wenn mir eine Keramik, eine Bronze oder eine Holzskulptur vorgezeigt wird, muss ich sie in die Hand nehmen. Natürlich nicht eine plumpe Fälschung, die ich dank meiner langen Erfahrung sofort erkenne.
Meine Galerie in der Berner Altstadt leitete ich zwar, war aber selten persönlich anwesend. Ich hatte das große Glück, dass ich während all den vergangenen Jahren von liebenswürdigen, zuverlässigen und wissensdurstigen Mitarbeiterinnen begleitet wurde.
Vor ca. 40 Jahren besuchten mich in unserer Galerie, damals noch an der Gerechtigkeitsgasse, Studenten aus Paris und verkauften mir russische Ikonen. Das war lange vor dem späteren "Ikonen-Boom". Inzwischen gehörten Ikonen zum Hauptzweig des Angebots meiner Galerie. Der Großteil meines Ikonenbestandes stammt aus England. Während und vor der russischen Revolution sind viele Russen nach Frankreich und England ausgewandert und haben ihre Iko-nen mitgenommen. Die spätere Generation fand sehr oft keinen tieferen Sinn mehr an diesen "Heiligenbildern" und brachte sie in die Auktionshäuser. Aus Freude und zu unserer eigenen Befriedigung haben sich meine langjährigen Mitarbeiterinnen und ich viel mit Ikonen be-schäftigt und dabei auch sehr viel gelernt. Jede einzelne Ikone wurde bei uns ausführlich be-schrieben und erhielt ein Echtheitszertifikat. Auch jedes andere antike Objekt wurde mit vol-ler Echtheitsgarantie verkauft.
1965 bin ich als Einzelfirma im Handelsregister eingetragen worden, und etwa zur selben Zeit wurde ich Mitglied des Verbandes der Schweiz. Kunsthändler und Antiquare. Ich stellte an zwei Messen im Kunstmuseum Bern und in den nachfolgenden zehn Jahren an der Schweiz. Kunst- und Antiquitätenmesse in Basel (KAM) aus.
Vor rund 40 Jahren habe ich meine Galerie an die Kramgasse 60 verlegt. Aus Altersgründen habe ich diese mir ans Herz gewachsene Galerie im April 1999 liquidiert, ohne eine Nachfol-ge - unsere Söhne sind praktizierende Ärzte gefunden zu haben. Was von der Liquidation noch übrig war, habe ich in unsere persönliche Sammlung integriert. Viele Objekte unserer Sammlung sind als Leihgaben in Museen.