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CINOA |
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| Description |
Private
Sammlung
Aegyptische Kunst, Ikonen, Koptische Gewebe |
Wie ich
Kunsthändlerin wurde
Die Frage, wie hat alles begonnen, ist in Kürze kaum zu beantworten.
Meine Eltern besaßen in der Ostschweiz ein großes
Haus voller Jugendstilmöbel. In unserem geräumigen Estrich
dagegen stand ein alter stattlicher Frühbarockschrank. Das
war mein Lieblingsstück, ich fühlte mich zu ihm hingezogen.
Die schönen ruhigen und ausgewogenen Formen dieses Schrankes
faszinierten mich bereits als kleines Mädchen. Der prächtige
Nuss-baumschrank, der vor über fünfzig Jahren vom Fachmann
restauriert wurde, steht noch heute in meinem Schlafzimmer. Er
hat mich durch den größten Teil meines Lebens begleitet
und mich bewogen weitere zu ihm passende antike Möbelstücke
zu erwerben. Im Laufe der Jahre ist er noch schöner geworden.
Vor mehr als sechzig Jahren heiratete ich und begann mein geerbtes
und gepflegtes Jugend-stilmobiliar gegen antike, unrenovierte
Möbel auszutauschen. Mein Ehemann (er war damals noch Assistent
an der ETH in Zürich) und ich besuchten Landleute im Thurgau.
Oft wurden wir belächelt: "so junge Leute suchen so
alte Sachen." Diverse Besitzer von alten Thurgauer-häusern,
mit denen wir Tauschgeschäfte tätigten, sahen unseren
jugendlichen Enthusiasmus, zweifelten aber an unserem Verstand
und fürchteten, sie würden uns übervorteilen. Dies,
ob-wohl wir es waren, welche die Tauschgeschäfte vorschlugen.
Nie habe ich bei Objekten, die mir gefielen, meine Begeisterung
zurück gehalten, um den Kaufpreis zu drücken. Das hat
sich schließlich sogar bewährt: man vertraute mir und
empfahl mich als Käufer weiter.
Ein Antiquitätenschreiner wirkte Wunder: aus den alten, unansehnlichen
Möbeln zauberte er Prachtstücke hervor. Die restaurierten
Möbel waren so perfekt und betörend, dass ich es ganz
einfach nicht lassen konnte, weiter zu suchen, selbst dann nicht,
als ich keine Jugendstilmöbel mehr besaß und wir unseren
eigenen Hausrat vollständig antik eingerichtet hatten. Aus
mei-nem Hobby entstand schließlich ein Beruf, der sich im
Laufe der Jahre ausweitete. Unter an-derem gehörte meine
Sammelleidenschaft der Schweizer Keramik. Es wurde aber immer
schwieriger, gute alte Schweizerkeramik zu finden. Da entdeckte
ich meine Liebe für weit ältere irdene Gefäße.
Anfänglich konnte ich es kaum fassen, dass eine großgriechische
Vase aus dem 5. Jh. v. Chr. billiger sein konnte als eine Langnauer-Platte
aus dem 18. Jh. Mein Sammelgebiet erweiterte sich, aber nicht
nur auf griechische, großgriechische und etruskische Vasen,
sondern auch auf etruskische, griechische und römische Bronzen.
Während vieler Jah-re besuchte ich wöchentlich archäologische
Vorlesungen an der hiesigen Universität. Dank erworbenem
Wissen und dank sehr guter Fachleute, die unsere Freunde geworden
sind, wurde ich vor Fälschungen bewahrt.
Vor 36 Jahren lernte ich durch einen glücklichen Zufall einen
älteren Ägypter kennen, der während vieler Jahre
mit der Museumsdirektion in Kairo zusammen gearbeitet hatte. Wäh-rend
der Nasserzeit musste er, da er zur ehemaligen Herrscherklasse
gehörte, Ägypten verlas-sen. Prof. Waley el dine Sameh,
das war sein Name, verbrachte jedes Jahr einige Wochen bei uns
in Bern. In unserem großen Haus in Bern war ein spezielles
Zimmer für ihn reserviert. Ihm verdanke ich meine zwar etwas
späte, aber umso leidenschaftlichere Freude an ägypti-scher
Kunst.
Auf meine erste Ägyptenreise begleitete mich der Ägyptenführer
von Prof. Dr. Emma Brun-ner-Traut. Ich war dankbar überrascht
von diesem ausführlichen Werk, und sobald ich nach Hause
kam, sandte ich der Autorin einen Dankesbrief. Damit begann ein
Briefwechsel. Es dauerte einige Jahre, bis wir uns persönlich
begegneten und, es war Liebe auf den ersten Blick. Eine innige
Freundschaft entstand. Mit den Eheleuten Brunner-Traut - auch
der Ehe-mann Hellmut Brunner, war Ägyptologe und Ordinarius
für dieses Fach an der Universität Tübingen - verbrachten
mein Ehemann und ich wunderschöne Tage und Wochen in Berlin,
im Schwarzwald und im Tessin. Oft besuchten mein Ehemann und ich
das Ägyptologenehe-paar in Tübingen. Museumsbesuche
mit dem Ehepaar Brunner-Traut habe ich stets ganz be-sonders genossen.
Leider ist Hellmut Brunner vor zehn Jahren im Alter von 84 Jahren
gestor-ben. Emma Brunner kann diesen Verlust nicht verschmerzen;
zu innig waren die Eheleute verbunden.
Vor ca. 25 Jahren habe ich mich als Buchhändler einschreiben
lassen, um direkt Bücher be-deutender Ägyptologen/Archäologen
(z.B. Proff. Emma und Hellmut Brunner-Traut) bezie-hen zu können.
Damit versuchte ich, meinen Kunden fundierte Literatur zu verschaffen.
Vom Buchhändlerverband habe ich mich allerdings später
wieder getrennt, weil ich dessen Ver-kaufspreisvorschriften-Revers,
dessen Existenz jetzt das Bundesgericht als nicht gerechtfertigt
befunden hat, nicht unterzeichnen wollte.
Vor ca. 36 Jahren begann ich Antikenauktionen in London zu besuchen,
damals ungefähr sechs bis achtmal pro Jahr. Während
diesen Aufenthalten in London blieb mir viel freie Zeit, die ich
ausschließlich im Britischen Museum und im Victoria-und-Albert
Museum verbrach-te. Zwischendurch besuchte ich auch New Yorker
Auktionen. Sehr wichtig ist die intensive Auseinandersetzung mit
einem antiken Objekt. Bei Auktions-Vorschauen ist es heute noch
möglich, die zu versteigernden Objekte zu betasten. Nicht
von ungefähr wurde das Wort "Fingerspitzengefühl"
geprägt. Wenn mir eine Keramik, eine Bronze oder eine Holzskulptur
vorgezeigt wird, muss ich sie in die Hand nehmen. Natürlich
nicht eine plumpe Fälschung, die ich dank meiner langen Erfahrung
sofort erkenne.
Meine Galerie in der Berner Altstadt leitete ich zwar, war aber
selten persönlich anwesend. Ich hatte das große Glück,
dass ich während all den vergangenen Jahren von liebenswürdigen,
zuverlässigen und wissensdurstigen Mitarbeiterinnen begleitet
wurde.
Vor ca. 40 Jahren besuchten mich in unserer Galerie, damals noch
an der Gerechtigkeitsgasse, Studenten aus Paris und verkauften
mir russische Ikonen. Das war lange vor dem späteren "Ikonen-Boom".
Inzwischen gehörten Ikonen zum Hauptzweig des Angebots meiner
Galerie. Der Großteil meines Ikonenbestandes stammt aus
England. Während und vor der russischen Revolution sind viele
Russen nach Frankreich und England ausgewandert und haben ihre
Iko-nen mitgenommen. Die spätere Generation fand sehr oft
keinen tieferen Sinn mehr an diesen "Heiligenbildern"
und brachte sie in die Auktionshäuser. Aus Freude und zu
unserer eigenen Befriedigung haben sich meine langjährigen
Mitarbeiterinnen und ich viel mit Ikonen be-schäftigt und
dabei auch sehr viel gelernt. Jede einzelne Ikone wurde bei uns
ausführlich be-schrieben und erhielt ein Echtheitszertifikat.
Auch jedes andere antike Objekt wurde mit vol-ler Echtheitsgarantie
verkauft.
1965 bin ich als Einzelfirma im Handelsregister eingetragen worden,
und etwa zur selben Zeit wurde ich Mitglied des Verbandes der
Schweiz. Kunsthändler und Antiquare. Ich stellte an zwei
Messen im Kunstmuseum Bern und in den nachfolgenden zehn Jahren
an der Schweiz. Kunst- und Antiquitätenmesse in Basel (KAM)
aus.
Vor rund 40 Jahren habe ich meine Galerie an die Kramgasse 60
verlegt. Aus Altersgründen habe ich diese mir ans Herz gewachsene
Galerie im April 1999 liquidiert, ohne eine Nachfol-ge - unsere
Söhne sind praktizierende Ärzte gefunden zu haben. Was
von der Liquidation noch übrig war, habe ich in unsere persönliche
Sammlung integriert. Viele Objekte unserer Sammlung sind als Leihgaben
in Museen.
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